Liebe Interessenten,

photowarum schreibt ein Psychiater Artikel mit politischen Inhalten? Hat der nix zu tun? Er ist doch Arzt und somit reich. Und schön natürlich. So, wie der Staat „Deutschland“ (es gibt ihn noch) reich ist. Und schön.

Ich will es Ihnen verraten: Es ist nichts als egoistischer Selbstzweck! Da haben Sie es! Bevor Sie jetzt gleich wieder gehen, wollte ich Ihnen das Verwerfliche daran näher erläutern, damit Sie noch besser im Bilde sind.

Aufgewachsen im Westen war ich der festen und unverrückbaren inneren Überzeugung, daß führende Politiker und Medien des Landes zumindest im Wesentlichen die Wahrheit sagen, nichts Wichtiges verschweigen, das Volk aufklären über Notwendiges und überhaupt sich ihrer Verantwortung ggü. der Entwicklung des Landes, das sie vertreten, bewußt sind. Gelogen wurde nur in der DDR und in sonstigen Ländern, aber nicht im Westen. Das war klar. Einen ersten Schlag bekam diese Überzeugung als ich an Veranstaltungen oder auch mal Demonstrationen teilnahm zusammen mit Journalisten, die hinterher darüber berichteten. Da ich diese hervorragenden Vertreter ihrer Zunft tatsächlich dort sehen konnte, wo auch ich war, war ich baß erstaunt, daß diese in ihren Zeitungs- und Fernsehberichten offensichtlich in völlig anderen Veranstaltungen als ich gewesen sein mußten. Da wurden Texte und Bilder so verdreht und durcheinander präsentiert, daß ein völlig anderes Bild entstand, als das, was Realität war. Das war, wohlgemerkt, in den Siebzigern und Achtzigern. Später hatte ich noch mehrmals das zweifelhafte Vergnügen aus beruflichen Gründen (forensischer Gutachter in Strafprozessen) von Journalisten interviewt zu werden und mußte auch da feststellen, daß die Bearbeitung des Materials zwar nicht so geschah, daß etwas völlig anderes herauskam als das, was ich gesagt hatte, aber doch deutlich anders als es der Realität entsprach. Nachdem das mehrmals geschehen war, lehnte ich jegliche Stellungnahmen für irgendwelche Medien ab, was diese nicht daran hinderte, trotzdem Unsinn zu berichten. Ich habe nicht nur, aber auch deshalb meine Tätigkeit als forensischer Gutachter eingestellt. Ein weiterer Grund waren die unsäglichen Prozesse mit ihren unsäglichen Urteilen, die einen schon in den 90ern am Verstand und der Redlichkeit der Gerichte zweifeln ließen.

Während meines ganzen Berufslebens war ich weiterhin der festen und unverrückbaren inneren Überzeugung, daß man in Deutschland nach einem sinnvollen akademischen Studium durch Arbeit Geld verdienen und sich einen mittleren Lebensstandard leisten könne. Ich wurde rasch eines Besseren belehrt, hielt aber an dieser fast schon wahnhaft zu nennenden Überzeugung fest – übrigens zusammen mit vielen Millionen anderen Leuten. Heute, gegen Ende meiner Berufstätigkeit, muß ich erkennen, daß ich nur belogen und betrogen wurde und mit mir viele, viele andere, die sich beim Mittelstand einordnen können oder wollen. Ich war zu faul, um einmal den Taschenrechner zu nehmen und nachzurechnen. Erst jetzt muß ich mit der Nase darauf gestoßen werden: In den 50er Jahren mußte man das 15-fache des Durchschnittslohns verdienen, um in den Spitzensteuersatz zu geraten. Dies wurde von Legislaturperiode zu Legislaturperiode immer weiter reduziert. Heute genügt das 1,3-fache des Durchschnittslohns, um in den Spitzensteuersatz zu geraten. Das sind 53.000 € im Jahr Brutto. Die europäische Zentralbank veröffentlicht jährlich das Vermögensniveau in den europäischen Ländern. Deutschland liegt weit abgeschlagen hinter Spanien und Portugal. Wie kommen nun immer wieder die Leute darauf, Deutschland sei reich, auch angesichts von 1,04 BILLIONEN € direkten Schulden und weiteren Milliarden und noch mehr Milliarden indirekten Schulden (Bürgschaften etc.)? Nun, ganz einfach. Es wird das Steueraufkommen als Maß für den Reichtum genommen. D.h. mit anderen Worten: der Staat, der seinen Bürgern das meiste Geld stiehlt ist der reichste Staat. Daß die Bürger dabei im finanziellen Desaster versinken interessiert wenig.

Nach Schulbesuch und Studium in West-Deutschland habe ich mir niemals vorstellen können, ja auch nur zu denken gewagt, daß es in diesem Land nach NS-Regime und DDR-Unrechtsstaat noch einmal mit riesigen Schritten auf den Abgrund totalitärer Staats-Ideologie mit ausgeprägt parteilicher Gesinnungsjustiz hinauslaufen könnte. Niemals. Trotzdem muß ich heute tief enttäuscht feststellen, daß ich in einem Staatsgebilde lebe, in dem genau dieser Weg beschritten wird. Und wie ab 1933 im Deutschen Reich oder ab 1948 in der DDR ist das Volk überwiegend schweigsam, sehr, sehr schweigsam, obwohl es jedem, der lesen und hören kann, ganz offensichtlich sein muß, daß das staatlich finanzierte und legitimierte Unrecht von Jahr zu Jahr zunimmt. Ähnlich wie die Steuern. Schließlich werden diese gebraucht, um das Unrecht zu finanzieren. Ich empfehle diesen sehr gut gemachten Film von Jasinna jedem, der noch der Illusion anhängt, wir würden in einem Rechtsstaat leben. Ab sofort sollten wir nur noch die Bezeichnung „Linksstaat“ verwenden: Am Meinungs – PRANGER. Das Video dauert etwas über 1,5 Stunden. Jede Minute davon ist es wert, angesehen zu werden. Tun Sie es, geben Sie sich einen Ruck. Aber besorgen Sie sich gleich ein paar Beruhigungspillen. Es ist schlimmer, als Sie es sich jetzt denken können.

Nun  zurück zur Ausgangsfrage: der egoistische Selbstzweck solcher Mitteilungen. Tja. Wenn man nach 50 Jahren bewußtem Leben in einem Staatsgebilde wie Deutschland feststellt, daß Verarschung, Ausbeutung, Diskriminierung, Lüge und Betrug, Verschweigen wichtiger Geschehnisse ganz wesentlich die eigene Lebensführung negativ beeinflußt haben, wenn man erkennt, daß man von abgebrochenen KunststudentInnen, dissozialen Taxischeinerwerbern, Stasi-Denunzianten und Propagandakadern der DDR an der Nase herumgeführt wurde, um ihnen ein gutes Auskommen zu ermöglichen, dann entsteht in einem und in diesem Falle in mir etwas, nach dessen Namen ich noch suchen muß. Ein Gemisch aus Angst, Verzweiflung, Haß, Zorn, Wut, Depression und Ohnmacht. Da sitzt man denn da und überlegt: Was nützen Dir alle diese Erkenntnisse denn? Was hast Du denn jetzt davon? Wäre es nicht besser gewesen, Du hättest Dich weiterhin als desinteressierter Vogel Strauß betätigt? Mußtest Du dich denn mit diesen Idioten beschäftigen? Nun ist es zu spät und es brodelt in einem, es kocht förmlich, es ist kurz vor der Explosion. Ich kann nun nach draußen gehen, auf den Hof und dort die Vögel anbrüllen. Tatsächlich können die nichts dafür, also lasse ich das. Ich kann eine Axt nehmen und … Holz hacken. Dabei bestünde jedoch die Gefahr, daß ich mir ins Bein hacke, deshalb lasse ich das lieber. Ich kann auch, wie mir des Öfteren geraten wird, alles an Gott abgeben, denn er ist derjenige, der letztlich alles in der Hand hat. Mache ich auch. Jedoch, das o.g. Gefühls- und Gedankengemisch bleibt. Der Eindruck systematisch und bewußt belogen und betrogen worden zu sein und immer noch zu werden: er bleibt. Er geht nicht weg. Er wird auch durch die Informationen, die auf einen niederprasseln mehr und mehr verstärkt. Was soll ich also tun? Ich brülle nicht die Vögel an, sondern ich schreie es schriftlich in die Welt hinaus. Stellen Sie sich bitte vor, daß dieser Text ungefähr 100 Dezibel hat.

Ich bin aus den o.g. Gründen Mitglied in der AfD geworden. Aber nein, ich glaube nicht, daß zu meinen Lebzeiten die Steuern wesentlich gesenkt werden. Nein, ich glaube nicht, daß sich zu meinen Lebzeiten die Gesinnungsjustiz wesentlich ändern wird. Nein, ich glaube nicht, daß der Sozialhaushalt des Bundes weniger als 48% des Gesamthaushalts betragen wird. Nein, ich glaube nicht, daß wir aus der EU und/oder dem Euro oder gar aus der Nato austreten usw. usf. Trotzdem hoffe ich durch die AfD auf ein wenig, ein ganz klein wenig Änderung im Umgang des Staates mit dem Bürger, der ihn bezahlt. Vielleicht etwas mehr Respekt, etwas mehr Freundlichkeit, etwas mehr Sachlichkeit. Vielleicht, daß es aufhört, daß Berufslosigkeit, 10jährige Studiendauern ohne Abschluß, Tätigkeit für die Stasi oder die SED-Propagandaabteilung als Empfehlung für die Führungskräfte des Staates gelten. Mehr Ansprüche wage ich gar nicht mehr zu stellen. Je weniger Ansprüche, desto geringer die Enttäuschung – aber auch desto größer die Freude, wenn doch mehr dabei herauskommt.

Viele Grüße
Dr. med. Werner Traub